Text von Kirstin Gründel – Ried Echo 15.03.2019

Potenzielle Arbeitgeber – zehn Unternehmen aus der Region – präsentierten sich den Schülern und erzählten ihnen etwas aus dem Berufsleben und dem Arbeitsalltag.

GODDELAU – Viele Fragen hatten die Jugendlichen der Martin-Niemöller-Schule am Donnerstagabend mitgebracht: „Wie viele Tage Urlaub habe ich in Ihrem Unternehmen?“, „Wie sind die Arbeitszeiten?“, „Kann ich auch in den Ferien ein Praktikum machen?“, „Muss ich Englisch können?“ Aber die potenziellen Arbeitgeber, die sich den Schülern vorstellten, wurden auch gefragt: „Sind Sie manchmal genervt von Ihren Kunden?“ Zehn Unternehmen aus der Region – vor allem aus der Logistikbranche, dem Einzelhandel, dem Gesundheitswesen, der Chemie- und der Finanzbranche, aber auch die Kreisverwaltung – präsentierten sich. Zudem konnten sich die Schüler über das Freiwillige Soziale Jahr informieren.

„Wir möchten, dass die Schüler etwas aus dem Berufsleben, aus dem Alltag erfahren“, erläuterte Alireza Naderi, Lehrer an der Goddelauer Gesamtschule, der die Veranstaltung organisiert hat. „Die Veranstaltung hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei den Schülern. Sie nehmen etwas Handfestes für ihre Berufsorientierung mit“, weiß Naderi aus Erfahrung. Er ist seit Aufnahme seiner Tätigkeit an der Niemöller-Schule für die dortige Berufsorientierung mitverantwortlich.

Nicht nur das Kennenlernen von Unternehmen gehört für die Acht- bis Zehntklässler zum Unterricht, sondern auch Betriebserkundungen, Praktika und Bewerbungstrainings. Bei der Abendveranstaltung könnten die Kinder erste Kontakte zu Arbeitgebern knüpfen und Ideen für ihre bevorstehenden Praktika bekommen, sagt Naderi.

Die Unternehmen unterdessen warben für die Ausbildung bei ihnen und hatten dazu auch eigene Azubis mitgebracht, die sich den Kindern vorstellten und anschaulich aus ihrem Arbeitsalltag erzählten. Melisa Kajevic und Sümeyye Göcmen, derzeit Auszubildende im zweiten Lehrjahr bei Aldi Süd, schwärmten für ihren Arbeitgeber: „Es ist nicht nur Ware einräumen, der Kontakt zum Kunden ist das Wichtigste“, meinten sie und ergänzten: „Es ist etwas anderes, als nur an der Kasse zu sitzen.“ Die Aufgaben eines Einzelhandelskaufmanns seien vielfältig und umfassten neben dem Kassieren auch das Bestellen und Einsortieren von Waren sowie die Beratung von Kunden. Die beiden Azubis ließen die Schüler auch selbst kassieren und Wechselgeld richtig herausgeben, um ihnen einen kleinen Einblick in ihre Arbeit zu geben. Dabei machten sie den Kindern Mut und gaben zu, dass auch sie erst in ihre Aufgaben hineinwachsen mussten. Ihr Arbeitgeber habe ihnen dazu aber die nötige Zeit gegeben und sie nicht „bestraft“, wenn sie Fehler machten.

Auch dm-Filialleiterin Yvette Schneider und Auszubildende Sarah Timmermann erzählten von ihrer Arbeit. „In den ersten zwei bis drei Wochen war es schwierig“, erinnerte sich Timmermann. Schließlich habe sie sich erst an das Arbeiten, das Einräumen von Produkten auch in die oberen Regale und die Arbeitszeiten gewöhnen müssen. Doch sie ist begeistert von ihrer Ausbildung: „Ich lerne alles über die Produkte und wie ich mit den Kunden umgehe.“ So stünden an der Berufsschule Fächer wie Kosmetik, Drogenkunde, Verkaufslehre und Rechnungswesen auf dem Plan. Als Beauty-Expertin kümmere sie sich zudem darum, Trends, die beispielsweise bei Instagram oder Facebook aufkommen, in den Filialen umzusetzen. Aktuell brächten Kunden vor allem Fragen zu Allergenen, zu recycelbaren Produkten und auch zu nachwachsenden Rohstoffen mit, auf die die Verkäufer Antworten wissen sollten. Während der einstündigen Veranstaltung konnten sich die Schüler bei zwei Arbeitgebern ihrer Wahl informieren. „Das war sehr hilfreich“, zogen drei Schülerinnen Bilanz. „Ich habe jetzt eine Idee, wo ich ein Praktikum machen könnte“, meinte eine von ihnen. Die Berufstätigen gaben den Schülern unterdessen mit auf den Weg: „Macht Praktika. So könnt ihr herausfinden, was euch gefällt und was euch nicht liegt.“