Das Biebesheimer Bauunternehmen Schäfer III. und die Martin-Niemöller-Schule gehen eine Kooperation ein

Lisa aus der Jahrgangsstufe 8 ist ganz begeistert, als sie in der zweiten Pause im Führerhaus eines Radladers sitzt und die Funktion des Joysticks erklärt bekommt. „Mir war gar nicht klar, dass sich auch Mädchen zur Baugeräteführerin ausbilden lassen können“, erklärt sie erstaunt.

Der schwere Radlader und ein großer LKW stehen auf dem Schulhof der Martin-Niemöller-Schule, um die sich neben Lisa viele andere Schülerinnen und Schüler scharen. Aber es geht nicht um Bauarbeiten an der Schule. Jan Hofmann, der kaufmännische Leiter des Biebesheimer Bauunternehmens, hatte die Baugeräte mitgebracht, um den Start einer Kooperation zwischen der Gesamtschule und dem Unternehmen deutlich sichtbar zu machen.

Er wiederrum freut sich über das vielfältige Interesse und stellt seine Motivation für die Kooperation dar: „Angesichts des aktuellen Fachkräftemangels wollen wir frühzeitig Kontakt mit jungen Menschen aufnehmen, um Ausbildungsmöglichkeiten in unserem Unternehmen aufzuzeigen und um Interesse an der Baubranche zu wecken.“

Die Niemöller-Schule pflegt im Rahmen des von der IHK Darmstadt unterstützten Konzepts der „Zukunftswerkstatt“ vielfältige Kooperationen mit ortsansässigen Unternehmen. So arbeitet die Schule schon seit vielen Jahren z.B. mit dem Chemieunternehmen Merck, der Spedition Kirchner und Partner, dem Entsorgungsunternehmen HIM und dem Seniorenheim am Park erfolgreich zusammen.

Schulleiter Martin Buhl erläutert, dass für die Martin-Niemöller-Schule die Berufsorientierung einen zentralen Stellenwert habe. Angesichts einer immer komplexer werdenden Ausbildungs- und Arbeitswelt sei es für junge Menschen wichtig, sich frühzeitig mit ihren Wünschen und Vorstellungen, aber auch mit den Perspektiven und Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt zu beschäftigen. Er stellt heraus, dass eine objektive, breite und realitätsnahe Berufsinformation den Jugendlichen ermögliche, den für sie richtigen Ausbildungsweg wählen zu können. „Der Schlüssel für die erfolgreiche Wahl liegt in der frühzeitigen Einbindung der Berufswegeplanung und der Vernetzung aller Beteiligten. Deshalb ist uns der direkte Kontakt mit Ausbildungsbetrieben wichtig“, so Buhl.

Im Rahmen der neuen Kooperation mit dem traditionsreichen Bauunternehmen und der Schule sichern sich die beiden Partner gegenseitige Unterstützung zu. So bietet die Schule Schäfer III. die Möglichkeit, in der Zukunftswerkstatt Informationsplakat auszuhängen oder an der schulinternen Ausbildungsmesse teilzunehmen und ihre Ausbildungsberufe vorzustellen. Außerdem hat der Ausbildungsbetrieb die Möglichkeit, Stellenangebote in der Schule auszuhängen oder Räumlichkeiten für eigene Informationsveranstaltungen zu nutzen.

Schäfer III. bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ihre Berufspraktika in den Jahrgängen 8 oder 9 zu absolvieren und lädt Klassen zu Betriebserkundungen ein.

Hofmann und Buhl sind sich einig, dass diese Kooperation eine win-win-Situation ist, da sie hilft, dass junge Menschen direkt nach dem Schulabschluss einen ortsnahen Ausbildungsplatz erhalten und das Unternehmen sich Nachwuchskräfte sichern kann. „Nein, im Moment kann ich mir nicht vorstellen in einem Bauunternehmen eine Ausbildung zu machen“, erklärt Lisa am Ende der Pause. Aber die Aktion auf dem Schulhof hat ihr bewusst gemacht, dass es für junge Frauen auch in noch eher von Männern dominierten Branchen Chancen für eine berufliche Karriere gibt.