An der Martin-Niemöller-Schule betätigen sich Kinder und Jugendliche als Gärtner. Künftig soll der Garten für verschiedene Schulfächer genutzt werden.

Text von Marion Menrath – Ried Echo 06.06.2019

GODDELAU – Jahrelang war er zugewuchert und verwaist. Doch jetzt ist der Schulgarten der Martin-Niemöller-Schule (MNS) zu neuem Leben erweckt worden und war pünktlich zum „Tag des Schulgartens“ am Mittwoch fertig. Verantwortlich dafür sind die Lehrer Anja Günther und Andreas Prause vom Lernzentrum der Schillerschule, die den inklusiven Unterricht an der MNS unterstützen. Sie haben zusammen mit 30 Kindern mit Förderbedarf kräftig angepackt. Nun soll der Garten allen Schülern zur Verfügung stehen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Drei Hochbeete in einem umzäunten Bereich haben sie aufgebaut, mit Ästen, Kompost und Erde gefüllt und bepflanzt. Zucchini-Pflanzen stehen jetzt neben Tagetes und Ringelblumen. Weil der Salat etwas die Blätter hängen lässt, dürfen die Kinder gleich mit bunten Gießkannen Abhilfe schaffen. In der Mitte begrenzen Steine eine Kräuterspirale.

Zwei weitere Hochbeete stehen in einem anderen Teil des Schulhofs. Insgesamt habe man 13 Meter aufgestellt, erläutert Anja Günther. „Das war klassen- und altersübergreifend ein schönes Projekt“, betont sie. Neben Gemüse gebe es Duft- und Gewürzkräuter, Heil- und Küchenkräuter, Blumen mit vielen verschiedenen Blütenformen und Blühzeiten von Februar bis November sowie „Pflanzen, mit denen man Stoffe färben kann“.

Denn langfristig soll der Garten auf vielfältige Weise in den Biologie-, Chemie- und Arbeitslehre-Unterricht eingebaut werden. „Man könnte Bodenproben untersuchen, Pfefferminze anbauen, um das Öl zu destillieren, Biomaterial in einer Wurmfarm kompostieren“, überlegt Günther. „Handlungsorientiertes und ganzheitliches Lernen“, nennen das die Fachleute. „Über das Tun in das Arbeiten und Verstehen kommen“, beschreibt Schulleiter Martin Buhl die Aufgabe. Und dass man sich mit Sachen beschäftige, mit denen man sich nicht so auskenne.

Günther erinnert sich an viele solcher Momente. Viele Schüler hätten am Anfang bei jedem Insekt gerufen „Ih, eine Biene“. „Da haben wir Berührungsängste abgebaut“, sagt sie. Jetzt könnten sie Schwebfliegen und Zitronenfalter benennen. Eine Schülerin wollte nichts essen, „was aus der Erde kommt.“ „Aber, wo kommen denn Deine Pommes her“, habe sie dann gefragt. Beim Gießen der Kräuterspirale hätten sie etwas über Erosion gelernt. Um die zu vermeiden und Wasser zu sparen, werde jetzt oben in einen in der Erde versenkten Blumentopf gegossen. „Ich war im Garten und musste gar nichts lernen“, hätten die Schüler gesagt. „Du hast etwas über Regenwürmer und Kompostierung gelernt und darüber, wie Du Dich organisierst“, widersprach die Lehrerin. Mit Riechen und Fühlen werden ganz andere Sinne angesprochen.

„Ich habe ein paar Mal beobachtet, mit welchem Eifer die Schüler dabei sind“, berichtet Buhl. In der Dreiviertelstunde im Klassenzimmer seien sie längst nicht so konzentriert gewesen. „Das ist ein tolles Projekt“, lobt er. Der Schulgarten sei ein kleiner Anfang. Aber es gebe noch viel Potenzial. Auch ein Bienenvolk könnte noch einziehen, überlegt der Schulleiter. Günther, die eigentlich Kunsttherapeutin ist, bringt Erfahrungen vom Schulgarten der Schillerschule in Gernsheim mit. Bei der Finanzierung halfen die Fördervereine der MNS und der Schillerschule mit jeweils 3000 Euro. Letzterer hat sich aufgelöst, weil die Schillerschule dieses Jahr ihre letzten Schüler entlässt. Das restliche Geld werde jetzt für Schulprojekte verwendet, erläutert der stellvertretende Schulleiter Holger Hofmann. Inklusion läuft im Ried künftig dezentral. Der Schulgarten hilft dabei sicherlich.